Im Jahre 1991 war ich nach langer Abstinenz wieder
auf der Suche nach einem Mopped. Im Januar hätte ich mir beinahe wieder
eine Yamaha XS 650 gekauft, die ich schon einmal fuhr: August 1976,
mein erstes nagelneues Motorrad! Zuvor hatte ich eine Suzuki 250 GS mit
RAM-Air-System, davor einen Heinkelroller; und davor einen
Zündapp-Roller, der nach einer Kreidler Florett kam - mein Einstieg in
die Welt der motorisierten Zweiräder.
Der Kauf kam aber nicht zustande, weil der Verkäufer trotz mündlichen
Kaufvertrages das Teil an einen anderen verkauft hatte. Im Februar 1991
fand ich dann eine Anzeige einer Kawasaki Z 650: das war schon damals
mein Traum-Motorrad, ich hatte mir aber wegen des niedrigeren Preises
dann doch die Yam XS 650 zugelegt. Am gleichen Abend der Anzeige fuhr
ich noch in die Garage des Verkäufers und schaute mir das Mopped an:
alle Lackteile waren aufgrund eines kleinen Unfalls nur grundiert, die
Original-Schriftzüge leider nicht mehr da, und der Motor sprang nur
unter Zuhilfenahme von Startpilot an - lange Standzeit, argumentierte
der Verkäufer. Trotzdem: ich wollte das Ding unbedingt haben! Damit
begann das Drama...
Zwei Tage später holte ich mein Mopped für 3.000 DM ab, und schon auf
der Heimfahrt brach mir der Schweiß aus: andauernd ging der Motor aus,
mit dem E-Starter war er nicht mehr an zu kriegen, und der Kickstarter
war recht schwer zu treten. Ich hatte nur einen geliehenen Helm, mit
dessen Visiertechnik ich nicht zurecht kam, und so sah ich bei der
anstrengenden Kickstarterei in ziemlicher Kälte mitten auf einer
vielbefahrenen Bundesstraße fast überhaupt nichts mehr - außerdem bekam
ich Atemnot!
Nach einer neuen Batterie schien das Problem vorerst gelöst. An dem
Mopped habe ich diesem Jahr so gut wie überhaupt nix gemacht,
jedenfalls was die Technik und so anging. Lediglich
Verschönerungsarbeiten waren angesagt: neue Lackierung, Gepäckträger,
Armaturenverblendungen. Ach ja: den Alu-Superbike-Lenker hab ich gegen
den der Z 900 ausgetauscht; allerdings war ich da auch nicht besonders
glücklich damit, und so fand ich es gar nicht schade, dass mir das
Mopped einmal umfiel und damit der Lenker ganz schön verbogen wurde.
Diesmal kam der Original-Lenker drauf, und das war absolut prima!
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Im Mai 1992 startete ich dann meine große
Erlebnisreise nach Korsika: naiv, wie ich war, immer noch ohne
technische Neuerungen, sogar die Reifen waren schon ziemlich hinüber.
Und zum Anziehen hatte ich auch noch nix richtiges, nur die
Lederklamotten und eine Regenkombi. Nach drei Wochen und knapp 5.000
Kilometern, von denen ich rund zwei Wochen im Regen gefahren war, hatte
ich vom Leder so die Schnauze voll, dass ich mich goretex-mäßig
ausgestattet hatte, auch die Schuhe, dazu noch dünne Handschuhe aus
Haarschafleder (genial! Für DIE könnte ich Vertreter werden!). Seitdem
bin ich für jedes Wetter gerüstet!
Danach ging es endlich an die Umrüsterei des Bikes: Konis hinten,
verstärkte White-Power-Federgabeln vorne, neue Bremsbeläge,
Kugellager-Lenkkopf gegen Kegelrollen ausgetauscht, Metzeler
Niederquerschnittsreifen aufgezogen, Stahlflex-Bremsleitungen, neues
Schwingenlager, neue Radlager, Rennkette, -ritzel und -zahnrad (die
halten heute im Jahr 2010 noch!): Danach hatte ich vom Fahrverhalten
her ein völlig neues Bike: spurstabil ohne Ende, brettgerade und
zielgenau in den Kurven - einfach traumhaft!
Seitdem bin ich über 50.000 Kilometer gefahren, ohne an diesen Teilen
irgendetwas auszutauschen, außer den Reifen ab und zu.
Leider aber stimmte irgendwas mit dem Motor nicht: schlechtes
Kaltstartverhalten (nach fünf Tagen Standzeit sprang der Motor nur noch
mit Startpilot oder dem Überbrückungskabel an), also machte ich mich an
die Vergaser: da ich die schöne aber äußerst laute Yoshimura-Anlage
gegen das Original ausgetauscht hatte, musste ich ja sowieso umbedüsen,
und dabei hab ich nahezu alles, was man in einem Vergaser austauschen
kann, auch nagelneu wieder eingebaut.
Das Problem blieb aber.
Anlasser ausgebaut und blankgeputzt, Kohlen erneuert - das Problem
blieb. Vor jedem Start habe ich die völlig verrußten Zündkerzen
blankgewienert, (Jessas! Wenn ich ein neueres Mopped gehabt hätte, bei
dem man zum Zündkerzenwechsel das halbe Motorrad zerlegen muss, hätte
ich bald den Gnadenschuss angewendet!) : das Startverhalten besserte
sich kaum - also habe ich 9er statt 8er Kerzen von NGK verwendet, also
heißere - aber auch die wurden schwarz.
Neue Leerlaufgemisch-Düsen rein, neue O-Ringe und Federn (weil sich die
Schrauben durch die Vibrationen dauernd herausdrehten) - keine
Besserung. Neue elektronische Zündung rein (DYNA), Fliehkraftregler
ersetzt - gleiches Dilemma.
Jetzt hatte ich noch zusätzlich das Problem, dass immer der dritte
Zylinder nicht mitlaufen wollte: Vergaserbank raus, gereinigt,
eingebaut, synchronisiert - ging 'ne Weile gut, dann wieder wie oben...
Lichtmaschine überprüfen lassen - Tipp vom Prüfer: die ist Ok, aber
tausch doch mal den Regler und den Gleichrichter aus! Gesagt, getan:
neue Regler/Gleichrichtereinheit rein. Und, was soll ich sagen? 'ne
Weile ok, dann wieder wie oben.
Das alles spielte sich in der Zeit zwischen 1995 und
2003 ab, und in dieser Zeit konnte ich in manchen
Jahren überhaupt nicht fahren, weil das Bike einfach nicht wollte und
wir in der Werkstatt eines Kumpels dran rumbastelten.
Manchmal hätte ich die Z auf den Mond schießen können, aber irgendwie
hängt mein Herz an diesem blöden, schönen Mopped...
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2002 bin ich ganze 1.100 Kilometer gefahren, etwa so
viel wie mit meinen Fahrrad: Immer wieder lief der dritte Topf voll
Sprit. Also, wieder Vergaser raus, eine kleine Verstopfung in einer
Düse beseitigt: Und ab ging die Post! Das heißt, wenn ich das Bike
überhaupt zum Anspringen überreden konnte... Gute drei Wochen später
das ganze Theater von vorne: Vergaser raus, nix gefunden, Vergaser rein
- fahren, drei Wochen lang ohne Probleme, dann war die Saison vorbei
und das Mopped kam in die Garage.
2003: Februar, bei schönem
Wetter, den ersten Versuch gestartet: die Maschine ist zwar
überraschenderweise ziemlich schnell angesprungen, aber wieder nur auf
drei Zylindern! Aber der springt schnell an, wenn ich mal dreihundert
Meter mit Vollgas und schleifender Kupplung die Wohnstraße entlang
düse. Aber das ist ja auf die Dauer auch nix. Vor allem nicht für die
Nachbarn...
Ich habe dann zufälligerweise einen Menschen kennen gelernt, der sich
mit der Motorradelektrik auskennen soll: jener checkt also alles durch,
findet hie und da einige Ohm und Minus-Ampère, wo sie nicht hingehören,
und steckt mir einfach einen Quetschverbinder um, der da frei ind er
Gegend hing und noch aus dem Umbau auf die kombinierte
Regler/Gleichrichter-Einheit stammt, die ein Freund eingebaut hatte.
Und siehe da: Saftverlust enorm gefallen! Irgendwo stimmt zwar was
immer noch nicht, meint er, aber da müsste ich halt selber mal genau
gucken. Danke. Ich, der von Elektrik keine Ahnung hat!
Ich mache mich also am nächsten Tag auf, einen Freund im 20 Kilometer
entfernten Speyer zu besuchen; kurz vor Speyer, in einer schönen, engen
Autobahnabfahrt, in geilster Schräglage, geht die Maschine plötzlich
aus - dicht hinter mir ein LKW, der gerade noch an mir vorbeikurven
kann! Klasse. Check: Sicherung ok, aber nicht mal durch den Kickstarter
ist das Ding wieder anzukriegen. Mein Unterbewußtsein schaltet das
Licht aus (das am Mopped natürlich), und schwupp! ist der Motor da.
Einige Meter aus der blöden Kurve gefahren, Licht angemacht: Motor aus.
Selbes Spiel von vorne, und dann bei meinem Freund den ADAC gerufen.
Der Typ erklärt mir doch glatt, dass das Kabel zum Regler/Gleichrichter
völlig falsch sei, die Batterie wurde jetzt ent-, statt geladen! Kabel
umgestöpselt, alles paletti. Jetzt aber nix wie nach Hause!
Danach habe ich mich entschlossen, an das vertrackte Thema Elektrik
heranzugehen, obwohl ich ja davon überhaupt nix verstehe. Aber gucken
kann man doch mal, oder? So verfolgte ich Kabel um Kabel, habe die
Hälfte des Kabelbaumes freigelegt - und was ich da für Sauereien
gefunden habe! Aber ich hab keine Ahnung, ob ich das alles wieder
zusammen kriege, und vor allem, wann. Entweder es regnet ohne Ende,
oder es ist viel zu heiß vor der Garage (Sommer 2003...);
in der Garage kann ich nicht werkeln, weil da noch drei andere Moppeds
drin stehen (die Doppelgarage habe ich gemietet und wieder an zwei
andere untervermietet: einer fährt eine BMW und hat noch seine alte
Honda drinstehen, der andere düst mit einer Yamaha durch die Gegend:
beide ärgern und bedauern mich auch gleichzeitig, aber beide haben
keine Ahnung von Motorrädern, außer dass man auf einen Knopf drücken
muss und dann wegfährt... Blödmänner!)
Das ist also Stand der Dinge im Sommer 2003: ich fahre also immer noch
mit dem Fahrradl.
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Anfang September 2003: Ich hab
es satt, dauernd nur mit dem Fahrrad unterwegs zu sein, obwohl es mir
ja Spaß macht. Aber andererseits will ich auch mal wieder fahren, ohne
treten zu müssen! Das Wetter lässt es jetzt endlich zu, so dass ich
mich an den Nerv der Elektrik wage: insgesamt 23 Stunden brauche ich,
bis ich alle Kabel erneuert und alles wieder zusammen gepfriemelt habe
- was natürlich nicht so glatt geht, weil immer wieder neue, kleine
Probleme auftauchen: Zum Beispiel habe ich mir nicht hundertprozentig
genau aufgezeichnet, wo welches Kabel mündete oder endete, und da die
Farben der Kabel auch nicht so ganz astrein übereinstimmten, weil
anscheinend schon vorher irgendein Nichtskönner mal hie und da ein
Stück Kabel zwischenrein gelötet hatte, war das schon ein Höllenspiel;
etwa im rechten Lenkerschalter; hab z.B. die defekten Kabel abgeknipst
ohne zu ahnen, dass ich Wochen brauchen würde, um die winzigen
Kupferanschlüsse irgendwo aufzutreiben - und selbst die musste ich noch
in Feinarbeit mit einer Feinfeile bearbeiten, bis sie passten. Aber ich
konnte ja nicht ahnen, dass ich Monate brauchen würde, um die Arbeit
fortzusetzen, sonst hätte ich mir ganz bestimmt (?!) Zeichnungen oder
sowas gemacht... Denkzettel!
Immerhin geht der erste Test in Ordnung, vor dem ich allerdings
fürchterlichen Bammel hatte: Aber nix hat gequalmt oder gezischt, alles
funktioniert - außer der Notausschalter: da muss ich doch zwei Kabel
verwechselt haben, denn die Elektrik bleibt bei "off" an; was sicher
nicht Sinn der Sache ist. Na, dann starte ich halt mal den Motor, und
ich falle fast um - der springt doch tatsächlich an! Zwar brauche ich
mehrere Versuche, aber er läuft auf allen Vieren! Und eben auf diesen
meinen liege ich vor dem Mopped, vor lauter Unglauben...
Jetzt geht es nur noch darum, die Gaszüge richtig zu justieren (hatte
ich glatt vergessen vor dem ersten Startversuch, deswegen hat es auch
eine Weile gedauert), und weil der Motor auch etwas klapperte, stelle
ich gleich noch die Kupplung nach und will die Steuerkette auch gleich
wieder richtig einstellen.
Tja, und was jetzt? Richtig! Die Feststellschraube des
Steuerkettenspanners dreht durch! Und ich ebenfalls!
Somit bin ich gerade auf der Suche nach einem anderen Gehäuse. Nicht
nur für den Kettenspanner, sondern auch für mein angegriffenes
Nervenkostüm...
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Ende September 2003: Ein Gehäuse für den
Kettenspanner habe ich inzischen gefunden, und zwar bei Markus Buchmann
(Anfrage - sehr
lohnenswert, dort mal nachzufragen, nicht nur wegen Teilen für die Z,
er hat auch eine ganze Menge mehr anzubieten; gute Qualität zu gutem
Preis!)
Der Ausbau des Gehäuses war ein Drama: Du weißt ja, wie blöde das Teil
unter den Vergasern am Motorblock hängt - ich war nah am Heulen. Das
neue Gehäuse stammt anscheinend aus einer neueren Baureihe, ist um
Klassen besser, weil die Spannfeder jetzt um ca. 2 cm mehr Druck
ausüben kann. Beim Einbau hab ich die zwei Schrauben durch
Inbusschrauben ersetzt, und mit einem kleinen, z-förmigen
Inbusschlüssel aus einem Möbelfertigbausatz eines bekannten Möbelhauses
kommt man ganz hervorragend dran.
Natürlich - es ist mal wieder was schiefgegangen dabei: Nach einer
Probefahrt hat das Ding mächtig viel Öl ausgespuckt! Also wieder raus
mit dem Gehäuse, und siehe da - irgendeiner hat doch glatt gepfuscht:
die Reste der alten Dichtung waren nicht ordentlich abgeschabt! (Die
neue Dichtung hab ich mir übrigens selbst ausgeschnitten, spart 'ne
Menge Kohle). Und wieder rein mit dem Gehäuse, und wieder einen
Probelauf im Stehen gemacht. Was soll ich sagen? Schon wieder Öl am
Auslaufen! Donnernocheins aber, was jetzt schon wieder?
Hm, nach einem Blick von der linken Seite her (ich hatte ja nur von
rechts gearbeitet), sehe ich doch glatt, dass die Dichtung an der
unteren Schraube vollkommen nach außen gerutscht ist... Also obere
Schraube lockern, untere ganz raus, Dichtung eingepasst, Schrauben
wieder rein, und - dicht war's. Endlich.
Als Nächstes kamen die Simmeringe der Vorderradgabel dran; der rechte
Holm hatte so einen Ölverlust, dass mir das Mopped beim Bremsen mit
leichtem Lenkereinschlag nach rechts schon wegknickte! Aber auch da gab
es wieder Probleme: Mit zwei Freunden baute ich die Dinger auseinander,
d.h fast auseinander. Denn die Schrauben ganz unten, die das Tauchrohr
halten, ließen sich nicht lösen - auch nicht mit Gegendruck eines
konisch zugefeilten Besenstiels nicht, den wir in das Tauchrohr
pressten. Also blieb uns nichts anderes übrig, als den 25 km langen Weg
zu meinem Kawa-Händler zu machen. Wir kennen uns seit vielen Jahren,
und sehr oft hat er mir kleine Dienste gegen einen Obolus in die
Kaffekasse erwiesen - aber diesmal haut er über die Stränge: für
dreikommafünf Minuten zum Lösen der Schrauben zockt er mir 10 Euro ab!
Na, jedenfalls hat es geklappt, und wir haben die Gabel wieder in
Ordnung gebracht. Am nächsten Tag allerdings entdeckte ich einen
Ölfleck unter dem rechten Gabelholm... Shocking! Aber es hatte nur
einer von uns die Ablassschraube nicht fest genug zugedreht.
Was den Motor betrifft, nur noch ganz kurz die neuesten Infos:
Anfang Oktober 2003: Die ersten beiden Male ist er
gut angesprungen, läuft auf allen Vieren. Die letzten beiden Male
allerdings spinnt er wieder: Zwar laufen alle vier Töpfe, aber unter
Last - will heissen: beim Wegfahren - stirbt er ab. Es geht nur wie
vorher bei drei Töpfen: Viel Gas, schleifende Kupplung, und das Gefühl
zielender Gewehre der Nachbarn im Genick... Was das nun wieder zu
bedeuten hat - keine Ahnung.
Ach ja, ganz kurz noch zum Fahrverhalten bei Nässe: Als ich letzten
Sonntag von einer kleinen Probefahrt zurück im leichten Regen nach
Hause musste, schmierte mir viermal das Hinterrad weg - soviel
Adrenalin verträgt eigentlich kein Mann in meinem Alter mehr! Deswegen
der Tipp: es macht schon Sinn, wenn ein Reifen genug Profil hat...
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Anfang Juni 2004: Du glaubst es kaum, aber es ist
dennoch wahr: ich fahre ein funktionierendes Mopped! Wie das kam? Durch
einen unglaublich tollen Deal, den ich mit einer Motorradwerkstatt
machte: Ich gebe Nachhilfe in EDV und er kümmert sich um meine
Maschine, ganz einfach.
Dabei hab ich übrigens noch mehr Glück gehabt: bei einer kleinen
Probefahrt im Hof des Meisters ging plötzlich die Bremse nicht mehr!
Der Bremszylinder war undicht. Donnersack, wenn der Bursche eine
größere Probefahrt gemacht hätte, oder ich sogar im Pfälzer Wald
unterwegs gewesen wäre, das hätte wohl einen größeren Adrenalinschub
gegeben - während eines unfreiwilligen Abhebens des Fahrers...
So hab ich jetzt einen neuen Hinterreifen, neuen TÜV und eine laufende
Maschine. Ich sag dir, das ist vielleicht ein Hochgefühl! Kennst du
sowas?
Ach ja, sicher kennst du das. Du hast ja auch sicher ein Mopped, das
losfährt, wenn du aufs Knöpfchen drückst... Aber versetz dich mal in
meine Lage!
Es hat aber ziemlich lange gedauert, bis sich in meinem Bewusstsein der
Gedanke gefestigt hatte, dass ich nicht mehr hängenden Kopfes zur
Garage schleichen musste, ohne Klamotten und Helm natürlich, weil ich
ja nie wusste, ob das Teil anspringt oder nicht; und wenn doch, obs auf
allen Vieren läuft oder nicht; und wenn ja, obs dann überhaupt
wegfährt...
Inzwischen hab ich mich daran gewöhnt - oder auch nicht; es ist immer
noch ein erhabenes Gefühl, wenn ich aufrecht zur Garage laufe und weiß,
dass mein Liebling anspringt und mit mir wegfährt!
Jetzt kann es endlich ans Verschönern gehen, was ich ja schon letztes
Jahr vor hatte: Bremssättel lackieren, abgeplatzten Lack am Motor neu
lackieren usw.
Heissa!
August 2004: Verschönerungen sind fertig:
Kettenschutz, Bremssättel und fast der komplette Motor neu lackiert!
Ich glaube, das hat bisher noch keiner geschafft, einen eingebauten
Motor zu lackieren... Jedenfalls hab ich davon noch nix gehört. Ein
toller Nebeneffekt dabei war der, dass die seit Jahren schwitzende
Kopfdichtung jetzt fröstelt, soll heissen, durch den Lack ist sie dicht
geworden!
Außerdem hab ich bei der Aktion auch den Klarlack über den polierten
Teilen ganz abgerubbelt, er war sowieso schon seit Jahren brüchig. Was
darunter hervor kam, brachte meine braunen Äuglein zum Leuchten:
hochglanzpolierte Teile! Die sah man schon gar nicht mehr vor lauter
Gilb des (Klar)lacks. Was jetzt noch getan werden müsste sind die
Standrohre; die sehen aus wie Sau. Hab aber keine Ahnung, wie ich das
hinkriegen soll.
Einen kleinen Fehler in der Elektrik hab ich auch entdeckt: Hupen geht
ganz einfach, ohne den Knopf auch nur zu berühren - nur den Lenker ganz
nach links einschlagen. Dabei gehen auch die beiden rechten Blinker an
und nicht mehr aus, hihi, nettes Gimmick. Also: Hupe abklemmen, und das
Problem ist gelöst. Irgendwann werd ich mal nachsehen.
Ende September 2004: So, das hab ich nun davon:
seit das Teil wieder klasse aussieht, muckt es wieder!
Die gleiche Chausse wie früher: Sie springt nicht an, und wenn doch,
dann säuft der dritte Topf ab. Einmal hat mich der ADAC überbrückt,
aber selbst damit hat es Ewigkeiten gedauert, bis der Motor gelaufen
ist, dabei ist auch immer wieder der Anlasser durchgedreht. Und ich
auch. Ein andermal war's mein Nachbar, hier das gleiche Spiel.
Nun steht sie also wieder an ihrem Lieblingsplatz, die schöne Maschine,
an dem sie schon so viele Monate und Jahre herum gestanden hat: in der
Garage. Und wartet auf bessere Zeiten.
Übrigens hab ich einen Tipp bekommen, wie ich die Standrohre wieder in
einen nagelneuen Zustand bringen könnte: es soll Messingbürsten für die
Bohrmaschine geben, die so weich sind wie eine Zahnbürste, damit kann
man Alu sehr gut polieren. Nicht auf Hochglanz, aber das wäre für die
Rohre auch gar nicht nötig - und sieht wahrscheinlich auch nicht so gut
aus. Jedenfalls würden sämtliche Macken rausgehen. Und anschließend
kann man das alles mit Kunststoff-Lack aus der Spraydose konservieren
(K 60, K 70 oder K 80). Mein Tipp-Geber hat sowas in seiner Lehrzeit
gemacht( vor 25 Jahren), und die Teile sind heute noch wie neu.
Allerdings liegen sie seitdem im Keller, haben nie Wind, Wetter und
Sonne gesehen. Aber jedenfalls werd ich das ausprobieren. Falls ich die
Sachen überhaupt irgendwo auftreiben kann. Denn: Wenn das Mopped schon
nicht richtig läuft, dann soll es wenigsten gnadenlos gut aussehen...
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März/April 2005: Ein neuer
Versuch, um dem ganzen Dilemma endlich Herr zu werden: Vergaserbatterie
ausgebaut, komplett zerlegt, und siehe da - sämtliche Dichtungen im
Eimer! Das ist ja kein Wunder, dass alles absäuft! Warum im Namen eines
Moppedgottes bin ich nicht schon früher darauf gekommen??? Das ist ja
so was von logisch, dass selbst ein Idiot das hätte vermuten müssen...
Eine kleine Schweinerei dabei am Rande: für acht O-Ringe und vier
Papierdichtungen musste ich beim Kawa-Händler über 26 Euro löhnen...
Später habe ich erfahren, dass es so was auch beim Bosch-Dienst gibt,
für 6 Euro!
Nun, wenn die Dinger schon mal auseinander sind, dann aber richtig ran
an die Sache: Die Gasschieber waren nicht richtig justiert, deshalb hab
ich sie mechanisch neu synchronisiert; sie waren am unteren "Totpunkt"
viel zu weit offen und auch nicht gleichmäßig in allen Vergasern.
Ein Schwimmer - der vom dritten - lag knapp einen Millimeter über dem
Niveau der anderen... Jaja, Kleinvieh ergibt auch einen Haufen Mist!
Natürlich bin ich davon ausgegangen, dass ich nach dem Wiedereinbau die
Vergaser in einer Werkstatt nochmals synchronisieren lassen muss; nicht
mechanisch, sondern per Unterdruck-Messgeräte.
Auf alle Fälle war ich überglücklich, dass die Maschine fast sofort
angesprungen ist und auch auf allen Töpfen lief! Lediglich die
Leerlaufdrehzahl muste ich schnell drosseln; ansonsten lief das Teil
richtig gut.
Wetterbedingt musste ich das Mopped allerdings eine Woche stehen
lassen. Und damit kam der nächste Test mit der wieder einmal bangen
Frage: Springt'se an oder nicht? Immerhin war die Standzeit ja länger
als vier Tage... Und das war ja vorher auch immer eins meiner größten
Probleme: Nach fünf Tagen will sie einfach nicht anspringen! - Aber
absolut kein Problem! Selbst die Batterie machte mit! Das lag vor allem
daran, dass ich mir ein anderes Ladegerät geliehen hatte, weil meines
keine Leistung mehr brachte: mit 11,6 Volt springt ein Motor nun mal
nicht an. Und mit dem neuen Refresher hab ich die Batterie wieder auf
Dauerleistung bringen können, sie hat ihre Spannung auch über zwei
Wochen problemlos gehalten. Jedenfalls in meiner Küche.
Somit ging es also am Samstag, den 30.4.2005 (denkwürdiges Datum!) auf
eine kleine Test-Tour. Der Motor ist schon viele Jahre nicht mehr so
ruhig im Leerlauf gelaufen wie jetzt! Auch im Fahbetrieb war ich
vollauf zufrieden und recht glücklich jetzt... Und das Benzin war auch
noch nie so teuer wie jetzt: 1,21 Euro für den Liter Super! Super, kann
man da nur sagen...
MIST ! Vor lauter Glück hatte ich ganz
vergessen, dass ich schon im letzten Herbst noch ein anderes Problem
hatte, das jetzt wieder auftrat: der Motor wurde viel zu schnell viel
zu heiß!
Keinen blassen Schimmer, woran das liegt: Öl ist genug drinne, und die
Kerzen sind auch nicht weiß verfärbt - und trotzdem glüht der Motor
fast und will auch nicht mehr anspringen, bevor er nicht etwa 30
Minuten abgekühlt ist...
Bin mal gespannt, wie lange es dauert bis ich heraus gefunden habe, was
dieser Blödsinn nun schon wieder bedeutet!
Es wäre ja auch viel zu schön gewesen...
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Anfang Juni 2005: Mir ist da eine Idee gekommen:
möglicherweise hat die Werkstatt, mit der ich letztes Jahr den tollen
Deal gemacht hatte, beim Ölwechsel halbsynthetisches Öl rein und die
Probleme kommen daher? Der Motor hat in seinem Leben noch nie was
anderes bekommen als rein mineralisches Öl! Dummerweise sind die von
der Werkstatt in Urlaub, kann also nicht nachfragen.
Vorsichtshalber wollte ich das Öl wechseln, ist ja sowieso wieder
fällig - unglücklicherweise geht das nicht, weil die Ablassschraube so
fest zu ist, dass ich sie rund gedreht habe... Schon seit Tagen sinne
ich nach einer Möglichkeit, das Teil aufzukriegen! Bei der Gelegenheit
hab ich auch nachgeprüft, ob der Schlauch für die Motorentlüftung
vielleicht zu ist; leider aber nicht, sonst wäre das Problem vielleicht
gelöst.
Aber ich hab gesehen, dass der Luftfilter ziemlich ölig aussieht: ist
es vielleicht das? Gemisch zu mager, Motor zu heiß? Aber das müsste ich
dann doch auch an den Kerzen sehen... Und außerdem ist viel zu viel Öl
drinne, bestimmt ein halber Liter! Kann sein, dass dadurch der
Luftfilter so ölig aussieht?
Das wiederum hätte ich doch an abnormalen Auspuffqualm sehen müssen...
Ich blick's echt nicht mehr.
Aber wiederum das würde erklären, warum ich beim Ausbau der Vergaser
nicht nur Öl an den Ansaugstutzen entdeckt hatte, sondern sogar an den
Vergasereingängen selber...
Ich krieg die Kriese mit dieser Z! Wie jedes Jahr so etwa elf bis sechs
mal...
Mitte Juni 2005: Öl ist inzwischen gewechselt, hab
die Ablass-Schraube mit einer Rohrzange malträtiert. Dummerweise aber
ist auch der Ölfilterbolzen so fest wie angeschweißt! Keine Chance, das
Teil - inzwischen rund wie ein Ei - aufzukriegen. Da die Mutter
wesentlich flacher ist als die Ölablass-Schraube, hab ich auch keine
Chance mit der Rohrzange; obwohl ich die Auspuffanlage abgemacht hab,
um die Horizontale der Zange besser ausnutzen zu können.
Hab dann gleich bei Markus Buchmann, den ich ja schon weiter oben
erwähnt hatte (z650markus@web.de),
einen Ölfilterbolzen bestellt; zu einem fairen Preis, dazu noch überaus
schnell geliefert. Sehr empfehlenswert der Junge!
Zum Testen reichts ja, dachte ich. Also fahr ich zum Louis, hole einen
Luftfilter, tausche den aus, und dann werd ich ja sehen. Dachte ich.
Dummerweise trat ein Problem auf, das mir die Tränen in die Augen
trieb: schon wieder ist der dritte Topf beim Starten so abgesoffen, als
wenn es Neujahr wäre und alle hätten nix anderes zu tun, als zu saufen!
ALLE? Nee, eben nur der dritte! SAUFLOCH! Warum bloss? Alle Dichtungen
der Vergaser sind doch nagelneu!
Also blieb mir mal wieder nix anderes übrig, als mit Vollgas und extrem
schleifender Kupplung den kleinen Hügel aus meiner Garage - etwa 15
Meter lange Anfahrt mit etwa 3,87 prozentiger Steigung - herauf bis zur
Straße zu rasen, dabei die Grasfläche des kleinen Weges umzunieten, in
Motocross-Manier das rutschende Hinterrad an der rechten Mauer eines
Nachbarhauses wieder zum Geradeauslauf zu bewegen... wobei natürlich
durch den Umkehrschub der linke Gartenzaun eines anderen Nachbarn in
Mitleidenschaft gezogen wurde. Und dabei immer wieder das Gefühl, die
Jagdflinten der Anwohner in meinem Genick zu spüren, wegen dem Krach,
den ich dabei verursacht habe.
Jedenfalls bin ich dann doch noch unversehrt oben angekommen und über
unsere Nebenstraße auf die Hauptstraße gelangt; und nach etwa vier
Kilometern Fahrt hat sich Topf Nummer drei doch noch entschlossen, in
den Reigen der anderen mit einzusteigen.
Hey! Geiles Gefühl, wenn man plötzlich wieder ein Vierzylinder-Motorrad
fährt...
Nach einigen weiteren Kilometern hatte ich das Gefühl, dass die
Maschine nicht mehr so heiß wird wie zuvor. Aber drei Kilometer weiter,
als ich anhalten musste und nach zehn Minuten wieder weiterfahren
wollte, passierte es wieder:
E-Starter dreht durch und gibt Geräusche von sich, als wolle er sich
von mir, dem Motor und der Welt insgesamt verabschieden. Kickstarter
zeigt mir ebenfalls den Stinkefinger.
Erst nach einer halbstündigen Pause lässt sich die Maschine überreden,
wieder anzuspringen!
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Ende Juni 2005: Ich hab wieder eine neue Idee, so
banal sie auch ist (vielleicht bin ich deswegen noch nicht drauf
gekommen?): Kerzenstecker, Zündkabel, Zündspulen? Letztere können es
aber nicht sein, da ja sonst gleich zwei Zylinder ausfallen müssten;
oder täuscht sich da mein Laienhirn?
Jedenfalls werde ich in den nächsten Tagen mal all die Teile
untereinander tauschen und sehen, was passiert. Nur muss ich warten,
bis sich das Wetter entschließt, mal einen Durchhänger einzulegen; es
ist so brutal heiß, dass ich mir beim Öffnen des Garagentors die Finger
verbrenne...
Ende Oktober 2008: Dummerweise habe ich
die Story zwar bis zum Frühjahr 2008 weitergeschrieben, aber durch
einen Sicherungsfehler ist sie einfach verschwunden und nicht
wiederherzustellen... Äußerst ärgerlich!
Nun versuche ich in ein paar Sätzen die derzeitige Situation zu
schildern:
Ich hatte fast die komplette Elektrik erneuert, nur den inneren
Kabelbaum ließ ich unangetastet; der war nämlich noch wirklich gut in
Ordnung. Viele andere Test hatte ich auch noch durchgeführt und an
Kleinigkeiten herumgespielt, die ich jetzt nicht mehr in die Reihe
kriege.
Nur eines ist mir noch deutlich in Erinnerung: den Benzinhahn hatte ich
ausgebaut und neu gedichtet - deswegen war die Maschine dauernd
versoffen! Suffkopp...
Seitdem bin ich ohne größere Probleme durch die Gegend gegondelt - mehr
als Gondeln war wegen meiner Halswirbelsäulenprobleme nicht drin. Mehr
als 100 Kilometer am Stück krieg ich einfach nicht mehr auf die Piste,
ohne zu leiden...
Bei einem Ausflug in den Odenwald im September 2008 zeigte sich
allerdings wieder das leichte Überhitzungsproblem. Und wieder waren die
Kerzen schwarz - das passt doch nicht zusammen?
Die Saison ist jetzt, Anfang November, wohl doch vorbei. Mal sehen, was
sich im nächsten Frühjahr tut - wenn sich überhaupt was tut... Denn die
letzten zwei oder dreimal hat sich die Maschine beim Anspringen wieder
äußerst schwer getan, obwohl nur jeweils zwei Wochen dazischen lagen!
Beim Einwintern ließ ich erstmals die Reste in den Vergasern ab, um
einem Verharzen vorzubeugen: das hatte sich dann beim Start im
nächsten Jahr absolut bewährt!
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Ende Oktober 2009: Ich hatte Anfang des
Jahres die fünfte Billig-Batterie in den letzten fünf Jahren über den
Jordan gekickt, weil sie sich schon wieder nicht richtig aufladen ließ!
Ich glaubte einfach nicht mehr daran, dass es an der Elektrik oder an
den Vergasern oder sonstwo lag, sondern nur an dieser Batterie eines
bestimmten Herstellers. Glaube versetzt ja bekanntlich Berge!
Somit orderte ich per Internet eine Gel-Batterie, wartungsfrei
natürlich. Erstaunlich, dass sich der Preis dafür in der Gegend einer
normalen Markenbatterie bewegte; hoffentlich falle ich da nicht schon
wieder rein...
Aber erstaunlicherweise hatte ich Glück: Das ganze Jahr über sprang die
Maschine einwandfrei an, auch wenn sie wetterbedingt mal vier oder gar
sechs Wochen unangetastet in der Garage stand - das war bisher noch nie
passiert! Und das auch noch, obwohl ich vergessen hatte die Batterie
abzuklemmen; vorher war es ja so, dass irgendwas in dem Mopped auch im
Ruhezustand offenbar Strom abzog und die Batterie nach schon einer
Woche leer war. Oder war es nur die blöde Billigbatterie selber, die
ihren eigenen Saft auffraß? Egal.
Jedenfalls war ich überglücklich, obwohl ich natürlich die üblen
Gedanken der letzten Jahre nicht aus meinem Hirn verbannen konnte:
Viel zu oft hatte ich ein mieses Vorgefühl, wenn ich zur Garage
radelte: springt sie an oder nicht? Und wenn doch, auf wie vielen
Zylindern?
Eine kleine, aber sehr effektive Veränderung nahm ich auch noch vor:
Die letzten zwei Jahre glaubte ich ernsthaft, das Mopedfahren verlernt
zu haben, weil mir ständig in den Kurven das Ziel verloren ging und -
noch schlimmer - in knappen Ecken wie z.B. bei herrlichen
Verkehrsinseln das Hinterrad wegschmierte! So etwas macht nicht
wirklich Spaß, es kostet nur unnötig eine Menge Adrenalin.
Nach dem Motto "wenn's hinten wackelt, dann ist vorne was locker und
umgekehrt", ging ich ans Überprüfen: Lenkkopf okay, Schwinge okay,
Kettenspannung okay. Dann die Erleuchtung: mit Schraubenzieher die
Speichen des Hinterrades abgeklopft - "Hänschen klein" hätte ich darauf
intonieren können!
Also Speichenschlüssel gekauft und mit viel Gehör und Gefühl versucht,
den Speichen einen einigermaßen einheitlichen Klang zu geben.
Es war schon brutal: manche Speichen waren so locker, dass sie dem Bass
von Iwan Rebroff nahe waren!
Vorne gab es nur einen Missklang, eine einzige Speiche klang etwas
dumpfer, musste also nachgezogen werden.
Ein Fahrversuch musste sofort her, und - ich konnte wieder Kurven
räubern! Und die genialen Verkehrsinseln, die in den letzten Jahren
extra für uns Biker gebaut wurden, durchzog ich nicht mehr mit einem
schwarzen Strich wegen wegschmierendem Hinterrad: ich zog durch wie in
jüngeren Jahren! Heissa, machte das einen Spaß! Endlich waren die
Zweifel an meinen Fahrkünsten verschwunden...
Als ich zwei Tage später wieder in die Garage ging und den Benzinhahn
aufdrehte, schoss mir Benzin entgegen! Schnell dreht ich wieder zu,
aber der ganze Motor war schon versifft. Dann sah ich die Ursache:
direkt hinter dem Benzinhahn war der Schlauch fast komplett
durchgerissen! Meine Herrn, wenn mir das vor zwei Tagen währen der
Fahrt passiert wäre, wäre es mir ganz schön warm geworden, allerdings
nicht ums Herz... Die Reparatur war schnell erledigt; mit einem Meter
Benzinschlauch, von dem ich nur zehn Zentimeter bis zum
Schwebstofffilter brauchte...
Vor dem letzten Ausflug Ende Oktober bekam ich wieder einen Seitenhieb:
nix mit Anspringen! Erst nachdem ich andere Zündkerzen (alte, aber
trockene und per Bürste vom Belag befreite) eindrehte, klappte es.
Das macht tolle Vorfreude auf das Auswintern im nächsten Jahr...
Brutalerweise entschloss ich mich, die Batterie nicht wie üblich den
Winter über im kühlen Schlafzimmer zu lagern: abgeklemmt beließ ich sie
im Motorrad mit der herzlichen Bitte zu beweisen, was Testberichte
lobten: den ganzen, tiefen Winter im Freien verbracht, im März auf den
Knopf gedrückt - und Saft ohne Ende war da!
Ein Traum wäre das...
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Ende Februar 2010: Das Wetter geht auf, die Sinne
zum Moppedfahren ebenfalls - was wird, wenn ich die nächsten Tage einen
Startversuch wage? Mir wird schon wieder ganz seltsam bei diesem
Gedanken...
Dienstag, 23. März 2010: Sonnig, recht mild; also:
mit schlechten Gedanken zur Garage geradelt und auf ein Wunder gehofft!
Und das geschah tatsächlich: der Motor sprang an, als ob er das erst
vorgestern und nicht vor fast fünf Monaten zuletzt getan hätte! Zwar
lief der vierte Zylinder nicht mit, aber nach einem Wechsel der
Zündkerze tat er es dann doch. Ich war so sprachlos, dass ich nicht
einmal jauchzen konnte, sondern mich nur schnell rauf auf den Bock
setzte und fast zwei Stunden durch die Gegend gondelte, bis mir das
Genick wieder weh tat... Aber dennoch: BALSAM FÜR DIE SEELE!!!!
Samstag, 24. April 2010: Grande Kacke! Auf der
Rückkehr eines kurzen Ausflugs zu einer Bekannten flog mir nach einer
Überquerung von Straßenbahnschienen die Hauptsicherung heraus; d.h. sie
war zwar noch da, aber definitif kaputt. Supertoll, dass der
Pannendienst schon nach knapp einer Stunde eintraf, er aber erstens
keine Ahnung von Moppeds und nicht einmal Ersatzsicherungen oder sonst
irgendwelche Reparaturausrüstung dabei hatte! Na ja, dachte ich;
Abschleppen ist immer noch die lukrativste Methode...
Also sah mein Mopped wieder einmal die Gegend von einem Rücken eines
großen Autos, erschreckend eingeklemmt von vielen Haltegurten.
Geschlagene eineinhalb Wochen saß ich dran und kontrollierte sämtliche
Kabel; sichtbar waren zwei Durchscheuerungen am linken Lenkerende,
nachdem ich mit äußerster Mühe das eklig klebende, silberfarbene
Isoband von sämtlichen Kabelsträngen entfernt hatte: die beiden Stellen
waren aber wahrscheinlich nur für das blöde Aufleuchten der
Blinkeranzeigen verantwortlich, die beide beim Einschalten des
Frontlichts permanent leuchteten.
Genau kann ich das aber nicht sagen, weil trotz aller weiterer Suche, am
Samstag, 1. Mai 2010 immer noch bei jedem
Zündschlüsselumdrehen die Sicherung nur einen Tick schneller
durchdrehte als mein Hirn...
Sackzement! Jeder Versuch kostet eine Sicherung eines horrenden Preises
von 25 Cent! Wohin soll das führen?
Entweder zum Versenken des Moppeds im Rheinschlamm oder zum Versenken
meinerdaselbst in ebendiesem... Oder beides.
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Dienstag, 12.August 2010
Seit den paar Tagen ab dem 1. Mai habe ich rund 60 Sicherungen
zerstören müssen! Also waren rund 60 Kabel in Ordnung, und
wahrscheinlich grinste das Verursacherbiest unerkannt in den
Tiefen der Elektrik über meine Bemühungen, es aufzufinden und zeigte
mir unsichtbar einen hämischen Stinkefinger in Form von reinem
Kurzschluss.
Meinem eigenen Kurzschluss entging ich nur dadurch, dass Mitte Juni bis
Mitte Juli die Sonne so gnadenlos brannte, dass an eine Arbeit in der
völlig überhitzten Garage nicht zu denken war. Danach kamen Wochen des
Regens; auch da ging nix, weil ich keinen Bock hatte, eine halbe Stunde
mit Regenschirm zur Garage zu latschen und
anschließend völlig gefrustet wieder zurück...
Irgendwann kam ein Bekannter auf die Idee, dass ich es doch mal mit einem anderen Zündschloss versuchen sollte.
Lieber
Walter aus Landau: ich danke dir bis ans Lebensende für diesen Tip!
Wahrscheinlich hast du damit mein Leben oder zumindest mein
Nervenkostüm gerettet...
Das
bei einer bekannten "Bucht" ersteigerte Zündschloss kam an, und ich war
zuerst enttäuscht: hatte dieses Teil doch den originalen Kombistecker
dran, an meinem Bike fehlte aber das Gegenstück - ein Vorgänger hatte
willenlos vier gleichfarbige Kabel dazwischen gelötet, und ich, nach
einer Aktion vor Jahren, habe die auch noch verlängert bzw. repariert,
mit wieder andersfarbigen Kabeln...
Da ich kein Gegenstück
zu dem Kombistecker auftreiben konnte, habe ich ihn einfach gekappt und
die vier Kabel mit Steckverbindern nacheinander verbunden: jedesmal das
Zündschloss an und gewartet, was passiert; jedesmal nix! Also weder
Kontroll-Leuchten an noch Sicherung raus...
Ich kann zu
meiner Entschuldigung nur sagen, dass ich erstens recht schlecht sehe
auf eine so kurze Entfernung, und dass ich außerdem recht doof bin;
erst ein Gedankenblitz brachte mich dazu, die - meiner
Sichtmeinung nach noch intakte Sicherung - gegen eine neue
auszutauschen: danach brannten Leuchten und Lichter und mein Herz
lichterloh!
Unfassbar froh und erleichtert begann ich,
das Kabelgewirr unter den Instrumenten wieder so zusammen zu quetschen,
damit ich die untere Abdeckung zuschrauben konnte.
Dann wieder eine Eingebung: Zündschlüssel drehen!
Und was passiert? Nix! Das heißt, es passierte doch was: die Sicherung flog raus... Also im Prinzip passierte doch nix...
Ein zufällig vorübergehender Mensch hätte mich mit Sicherheit "Heulboje!" genannt...
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Am
nächsten Tag hatte ich wieder eine Eingebung: ich prüfte die vielen
lose herum hängenden Kabel und fand tatsächlich den Nervtöter: eine
nicht isolierte Verbindung hatte Kontakt mit dem Rahmen! Isoband
drumrum, Schlüssel gedreht, und -
Lichterloh
brannten Herz und Lichter und Leuchten: die Sicherung blieb heil...
...und meine Nerven traf ein ungewohnter Schlag von Sanft- und Zufriedenheit und Erleichterung.
Frohgemut
pfriemelte ich die viel zu vielen Kabel in das Lampengehäuse, das dafür
definitiv zu klein ist; nicht ohne ständig den Schlüssel zu drehen und
zu hoffen, dass die Leerlaufanzeige weiterhin grün leuchtete - die
anderen Anzeigen gingen eh schon seit Jahren nicht, und keiner weiß,
warum...
Zwei Stunden vergingen, in denen mir der Schweiß in
Strömen herunter tropfte: erstens wegen der ständigen Anspannung beim
Schlüsseldrehen, aber auch, weil es ständig wärmer wurde in der Garage:
die Sonne meinte es zu gut.
Aber schließlich sah das Mopped - zumindest von vorne - wieder so aus
wie ein Mopped, das sein Angesicht stolz zeigen konnte: Lampe dran,
Instrumente dran, Blinker dran - aber leider verkehrt herum: Doofie
hatte die Dinger in Sitzrichtung angebaut, was zwar ein netter Gag
wäre, aber wohl im allgemeinen Verkehrsgewühl nicht besonders gut
ankommen würde...
Also Scheinwerfer wieder ab, die Blinker in die richtige Richtung gebracht und Scheinwerfer wieder drauf.
Und: Zündschlüssel gedreht - nix ist passiert!
Ich meine, echt nix, weil die Sicherung nicht durchdrehte und meine Nerven ebenfalls nicht!.
Jetzt
blieb nur noch der Rest der Kabelei, wobei ich penibel darauf achtete,
dass alles gut isoliert war - und bei jedem zweiten oder sechsten
Handgriff
den Zündschlüssel zur Kontrolle drehte...
Ach ja, ein kleines Problem gab es noch, das es zu lösen galt:
Im
linken Griff war ein winziges Teil abgebrochen, das ich mit
Sekundenkleber wieder zusammen kriegen wollte.
Natürlich
klappte das nicht! Weil der Kleber zwar in Sekunden seine eigene
Austrittsöffnung verklebte, aber nicht die Bruchstelle, die Fern- und
Normallicht kontrollieren soll. Also kaufte ich einige Tage später in
einem teuren Autozubehörladen einen teuren Kleber, der aber den Kleber
aus einem 1-Euro-Shop bequem an die Wand klebte: ein halber Tropfen auf
die einen Millimeter große Bruchstelle, und das Problem war
bombenfest geklebt!
Äußerst dumm
nur, dass ich keine Ahnung mehr hatte, wie diese blöden Kabels aus dem
Griff heraus liefen: zweie mögen wohl in dem zweigeteilten Griff
oben gewesen sein, drei unten - oder umgekehrt? Und wie krieg ich
die Dinger so hin, dass keine Quetschgefahr besteht und der nächste Kurzschluss vorprogrammiert ist?
Hängenden Kopfes, mutlos und erschöpft wegen den Saunatemperaturen in der Garage gab ich es auf....
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Ende August 2010
Den
linken Griff hatte ich vollkommen im Griff! Irgendwie hatte ich eine
Instutition (oder Intuition?), und das Ding war wieder zusammen und
funktionierte: ich hatte tatsächlich die Lösung der Kabelaustritte
entdeckt!
Anfang September 2010
Ich
fand neuen Mut: kaum zu sagen, was ich an den Kabeln getan hatte,
aber der Motor sprang an! Am Lenker gerüttelt: Sicherung blieb
drin! Da ich keine Moppedklamotten dabei hatte, radelte ich glücklich
wie ein junger Hahn nach Hause, voller Fahrfreude mit Mopped!
Zwei
Tage später wollte ich also eine kleine Tour machen: Zündschlüssel rum,
Sicherung drin, Startknopf gedrückt, aber nix rührte sich... Nach
vielen Versuchen gemerkt, dass der Magnetschalter keinen Klacks von
sich gab!
Ist das zu fassen? Zwei Tage vorher alles okay,
und ohne das Mopped noch einmal berührt zu haben, verabschiedet sich
höhnisch just am Tage meiner Moppedträume dieses saudumme Teil?
Schon wieder brach ich fast in die Knie: womit hatte ich das bloß verdient?
Wiederum
zwei Tage später mit dem Rad eine Zweistundentour zu einem Händler nach
Mannheim unternommen, der alte Mopedteile liebt, sammelt und verkauft;
Magnetschalter erstanden und am gleichen Tag noch eingebaut: Mopped
springt an! JUHUU! Jetzt endlich alle Fehler beseitigt? Dann gehts wohl
doch noch zu einer Ausfahrt in dieser Saison!
Mopped raus
aus der Garage, drei Kilometer später an einer Tanke Luft aufgefüllt,
Moped angelassen, Lenker wegen Rückwärtschieben etwas nach links
eingeschlagen: Sicherung raus! Sicherungssatz gekauft und statt die
20er eine 25er rein: angesprungen, drei Kilometer zurück in die Garage
gefahren: alles okay!
Zwei Tage danach Lust auf Ausflug:
Moped angelassen; beim Versuch, es rückwärts aus der Garage zu
schieben: Sicherung raus! Und meine auch...
Moped wieder
hineingeschoben, Tank wieder ab zur Fehlersuche, neue Sicherung rein:
Kontrollleuchten blieben an! Am Kabelstrang, der vom rechten Griff
unter dem Tank durchläuft in Richtung Magnetschalter ganz leicht
gezogen, und zwar genau unter dem Tank: neue Sicherung rein...
Ich flippte beinahe aus!
Wieder
Kabeltests, indem ich viele Quetschverbinder trennte und jedesmal die
Zündung einschaltete: nach 15 Versuchen hatte ich keine Sicherungen
mehr...
Seltsam dabei: anfangs blieb die
Leerlauf-Kontrollleuchte an, irgendwann nicht mehr, weil die
Sicherungen wieder beim Schlüsseldreh rausflogen... Kann es sein, dass
die dauernden Kurzschlüsse das Zündschloss (wieder) zerstört haben?
Ich
hatte absolut keine Idee mehr, weil ich mich wahrscheinlich total
verrannt und alles aufs Neue wieder und wieder probiert hatte.
Aufgeben
ist ja nicht so mein Ding, vor allem nicht, wenn ich schon 18 Jahre
darauf beharre, die blöde und liebe Karre endlich zu einem gefügsamen
Moped zu machen... Trotzdem wollte ich das störrische Teil wieder
einmal auf den Mond schießen oder in einem tiefen Fluss versenken, mit
mir als Reiter obendrauf!
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Mitte Oktober 2010
Zufällig
hatte ich einen ehemaligen Kollegen getroffen und fragte ihn, ob er
sich - wie in so vielen anderen Dingen auch - mit Fahrzeugelektrik
auskennen würde und schilderte ihm das Problem. Etwas zögernd meinte
er, dass er ja mal nachschauen könne, aber erst in zwei oder drei Wochen.
13. November 2010
An
einem herrlichen Samstag bei wohltuenden 15 Wärmegraden hörte sich der
Kollege in meiner Garage noch einmal an, was ich bisher getan hatte;
noch während ich erzählte bat er mich, den Scheinwerfer zu öffnen, weil
er glaubte, dass sich der Fehler dort befinden würde.
Er griff in die Kabelstränge, ich drehte den Zündschlüssel: o Wunder: die Sicherung blieb drin!
Aber
auch mit seinen Luchsaugen konnte er nirgendwo eine schadhafte Stelle
entdecken. So beschloss er, den dicksten Kabelstrang, den er bewegt
hatte, mit einem innen harzgetränkten Schrumpfschlauch in der Größe
eines Fahrradschlauches so zu stabilisieren, dass sich drinnen nichts
mehr würde regen können. Ebenfalls isolierte er alle anderen Kabel
(nochmals, nach meiner vorhergehenden Tätigkeit) sehr gewissenhaft -
und zwar nicht nur im Scheinwerfergehäuse, sondern auch an allen
anderen Stellen: von den Lenkerenden aus bis hin zur Batterie. Dabei
entdeckten wir auch eine offene Kabelstelle von knapp einem Millimeter
in der Nähe des Rahmens, die vielleicht bei saudummen Bewegungen Kontakt haben könnte!
Tests: Mopped hin und her schieben, Lenker nach allen Seiten bewegen: alles in Ordnung, Sicherung blieb drin!
Nur
einen Fahrtest konnte ich nicht machen, weil der Sattel im Wohnzimmer
lag zwecks Neubezug (den ich übrigens bis inzwischen jetzt Ende November
nicht in die Reihe brachte, weil auch das nicht so klappte, wie ich mir gedacht hatte... Wundert das jemanden? Mich nicht!)
So
habe ich nunmehr die frohe Hoffnung, dass ich im nächsten Februar des
Jahres 2011 auf tolles Wetter hoffen und eine erfolgreiche und
glückliche Ausfahrt unternehmen kann!
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Dezember 2011, Nachtrag des Jahres
Na ja, so richtig doll ist dieses Jahr auch nicht gelaufen, vor allem mein Mopped nicht...
Den
neuen Sattelbezug hatte ich im Frühjahr endlich drauf gekriegt und den
Sattel aufs Mopped gelegt, wobei mein Wohnzimmer deutlich an Gestalt
verlor: schließlich gehörte der Sattel vor meinem Schreibtisch seit
Monaten zur Einrichtung! Jeder weiß, wie einem ein solch vertrautes
Teil fehlen kann.
Eine
gewisse Unlust ist aus diesen
Zeilen bestimmt zu erkennen; das lag vor allem daran, dass mir mein
Genick wieder heftige Schwierigkeiten bereitete: ich fühlte mich
außerstande, das Mopped zu bewegen und versuchte deshalb auch gar
nicht, den Motor zum Laufen zu bringen. Außerdem hatte ich mich sowieso
schon von dem Mopped verabschiedet: Erstens war mir klar geworden, dass
ich wegen den Genickproblemen keine Touren mehr unternehmen konnte, und
außerdem hatte ich keinen Bock mehr auf den blöden Bock, der einfach
nicht funktionieren wollte... Ich hatte im Winter den Plan gefasst, mir
einen kleinen Roller anzuschaffen: leicht und wendig würde er meinem
Genick wohl weniger Probleme bereiten; eine Garage würde ich nicht mehr
brauchen, weil das Teil das ganze Jahr über in der Nähe meiner Wohnung
stehen sollte, was nicht nur Geld spart, sondern auch die (je nach
Gegenwind) zwölf- bis 14-minütige Fahrradtour bis zur Garage;
kein TÜV, keine Steuern spart auch Knete; und mit 50
Stundenkilometern wäre ich immer noch mobil genug für kleine Fahrten!
Diese
Idee hatte sich so festgesetzt, dass ich im Frühjahr nicht einmal mehr
Wehmut spürte, wenn blöde Moppedfahrer mit ihren dummen,
funktionierenden Maschinen an mir vorbei düsten! Niemals hätte ich
gedacht, dass ich so herzlos würde sein können, auch meiner Maschine
gegenüber; ich hatte wohl die Tatsachen endlich kapiert, und auch meine
Seele hatte sich damit abgefunden.
Einen alten
Viertaktroller hatte ich allerdings in der ganzen Zeit nicht gefunden;
einen Zweitakter wollte ich aber auf keinen Fall: so stinkend und mit
solch hässlichen Geräuschen würde ich niemals durch die Gegend gondeln!
Im Frühsommer
schließlich fasste ich mir ein Herz und befahl meinem Genick, sich
anständig zu verhalten; das gleiche befahl ich auch meiner Kawa; aber
die blieb sturer als mein Genick: es lag aber zu dieser Zeit nur an der Batterie, die gab nämlich keinen Ton von sich.
Na, dachte ich, so eine tolle Gel-Batterie (die ich mir im Vorjahr geleistet hatte), ist doch ein Wunderwerk, oder nicht?
Kurzerhand
schloss ich sie an mein Ladegerät an, und ebenso kurzerhand war die
Batterie zerstört: ein normales Ladegerät darf niemals an eine
Gel-Batterie angeschlossen werden! Woher sollte ich das auch wissen?
Ich hätte den Beipackzettel der Batterie lesen müssen...
Also: eine neue Batterie gekauft, eingebaut und einen Startversuch gewagt:
Ich
bekam vor Schreck fast einen Infarkt, als der Motor schon nach einem
Hauch von Druck auf den Startknopf ansprang! Danach fühlte ich mich
aber unendlich glücklich...
Satte 60 Kilometer schaffte ich
an diesem herrlichen Tag, rund um die Dörfer vor Ludwigshafen, bevor
mein Genick um eine Pause von mindestens einer Woche bettelte.
Ich gab schmerzerfüllt nach, aber meine Seele hatte in diesen zwei Stunden Hochkonjunktur:
Das
satte Brummen der Maschine; die Vibrationen unter dem Hintern, die den
ganzen Kerl erfassten; das unglaubliche Glücksgefühl, sich herrlichen
Kurven anschmiegen zu können in einer Geschwindigkeit, die Frauen an
den ihren nie erlauben würden; der fast irre Ruck an der Gashand, wenn
es aus einer traumhaften rechts-links-rechts-Kombination auf die
Autobahn ging, mit freudiger, ja süchtiger Erwartung auf den
"Nachbrenner", der ab einer gewissen hohen Drehzahl einsetzen
würde; die enorme Bremswirkung, die nötig ist, um nach einem
solch kurzem Geschwindigkeitsrausch die nächste
rechts-links-rechts Kombination der Ausfahrt zu erwischen und dabei die
Kurven noch besser und in noch schrägerer Lage zu meistern als bei der
Einfahrt zur kurzen Autobahnstrecke; das anschließend gemütliche
Gondeln durch die hübschen Vororte, bei dem ich riechen, sehen und mit
allen Fasern spüren kann, was die Natur zu bieten hat: duftende Felder,
herrliche Wiesen, wunderschöne Häuschen - selbst die kleinsten
Schönheiten wie blühende Balkone oder vor den Häuschen aufgestellte
Pflanzkübel mit herrlichen Blumen kann ich wahrnehmen und genießen...
Das alles begehrt mein Motorradherz!
Damit
war der ganze Plan mit einem Roller im Eimer: Niemals könnte ich
diese Gefühle aufgeben! Nie würde ich mich auf so einem kleinen Ding so
irre glücklich fühlen! Und wenn ich nur ein- oder zweimal im Monat eine
solch kleine Tour unternehmen könnte: lieber eine Weile körperlich
leiden als andauernd seelisch... Ich liebte mein großes rot/weißes Mädel wieder!
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Wieder
in der Garage wollte ich den Benzinhahn schließen, aber der wollte das
nicht. Offen konnte ich ihn aber nicht lassen, weil ich keine
Unterdruckvergaser habe und somit ständig Benzin fließt; also probierte
ich es mit einer Zange: schließlich gab der Hahn nach; aber in der
Form, dass der Hebel abbrach! Die letzten zwei oder drei Jahre schon
war der Hebel sehr schwergängig, jetzt hatte er endgültig den Geist
aufgegeben.
Mir blieb nichts anderes übrig, als den
Benzinschlauch zu knicken und mit einem Kabel zusammenzuhalten, damit
der Benzinfluss gestoppt wurde. Danach begab ich mich im Internet auf
die Suche nach einem gebrauchten Benzinhahn: ein neuer sollte beim
Händler 79 Euro kosten, was mir eindeutig zu viel war! Ich fand auch
schon bald einen, für 22 Euro inkl. Versand, der schon fünf Tage später
eintraf. Als ich ihn auspackte, sah ich sofort, dass es ein falscher
Hahn war: es war einer für Unterdruckvergaser, er hatte also keine
off-Stellung! Also verscherbelte ich ihn wieder (mit drei Euro Gewinn)
und besorgte mir doch einen neuen beim Händler, weil für mein Baujahr
kein gebrauchter Hahn zu finden war.
In der Zwischenzeit
versuchte ich einen großen Benzinkanister aufzutreiben, denn ein
Wechsel des Benzinhahns bei vollem Tank ist völliger Blödsinn! Kein
Mensch hatte jedoch einen; bei den heutigen Tankreserven der Autos ist
so was einfach unnötig. In einem Billigladen entdeckte ich schließlich
einen 10 l-Kanister für acht Euro und nahm ihn mit in die Garage. Als
ich das Tor öffnete wusste ich sofort, dass sich die Sache mit dem
Kanister erledigt hatte: eine riesige Benzinlache auf dem Boden! Durch
das Abknicken des Benzinschlauchs war dieser direkt am Benzinhahn
aufgerissen und der ganze Sprit bis zum Reservestand ausgelaufen; so
konnte ich also locker den neuen Hahn einbauen und den Kanister wieder
zurück tragen.
Tja, manche Dinge erledigen sich von selbst, wenn man eine Weile wartet...
Und
wieder durfte ich an einem herrlichen Wochenende im Spätsommer für die
Zeit von knapp über 60 Kilometern Glück tanken, wie kurz vorher
beschrieben, und musste aber auch wieder eine Woche leiden; aber das
war egal!
An einem Sonntag anfangs Oktober, - es sollte laut
Wettervorhersage der letzte, schöne und warme Tag dieses Jahres sein -,
wollte ich noch einmal nachtanken: Glückseligkeit für die langen
Wintermonate speichern!
Diesmal aber schlug das Schicksal wieder gnadenlos zu: Das Mopped wollte nicht anspringen!
Liebe
wandelte sich in Hass, Glücksgefühle versteinerten zur
Verzweiflung, Hoffnung wurde zu absoluter Hilflosigkeit...
Völlig
am Boden baute ich die leer genudelte Batterie aus und hängte sie zu
Hause ans Ladegerät. Aber schon am nächsten Tag wurde die
Wettervorhersage tatsächlich wahr, und das Moppedjahr war vorbei:
ganze fünf Fahrstunden hatte es für mich gedauert!
Und in Zukunft? Kann ich wirklich damit leben?